Anwendungsbericht

Mit dem Aufzug trotz Stromausfall sicher in die nächste Etage

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Damit der Aufzug trotz Stromausfall noch fährt: Vorteile einer guten USV-Anlage

Stromausfall, der Aufzug bleibt auf halbem Wege stecken, die Personen sitzen fest. Im Film öffnet dann früher oder später einer der Insassen eine Klappe an der Decke des Aufzuges, klettert die ölverschmierten Stahlseite hinauf und stemmt die Türen des nächsten Stockwerkes auf. Ein heldenhafter Moment, aber eigentlich ein Filmklischee. Denn wenn ein Gebäudebetreiber ordentlich vorgesorgt hat, springt in diesem Fall die USV-Anlage ein und versorgt den Aufzug mit dem nötigen Strom für eine letzte Evakuierungsfahrt zum nächsten Stockwerk, wo alle dann wohlbehalten und ohne Ölflecken aussteigen können.

Eine gute USV-Anlage: Eine Frage der Sicherheit und des Geldes

Auch abseits der Aufzüge ergibt eine Anlage zur unterbrechungsfreien Stromversorgung (kurz: USV) Sinn. Peter Gaßner, Projektmanager für USV-Anlagen bei Wöhrle Stromversorgungssysteme, rechnet vor, dass eine Sekunde Stromausfall oft einen Schaden von 300.000 bis 400.000 € bedeuten könne. „Ein Keramikhersteller in Brandenburg“, erzählt Gaßner, „hatte kürzlich einen
Stromausfall, der dazu führte, dass die Leistung der Brennöfen stark zurückging. Da war der der gesamte Brand, also die Ware im Ofen, ruiniert.“ Eine USV-Anlage hätte das verhindern können, aber der Keramikhersteller besaß keine. Gaßner: „Nach meiner Berufserfahrung sind nicht die großen Stromausfälle das Problem, weil diese recht selten vorkommen. Problematischer sind die sogenannten Netzwischer: kurze Aussetzer, oft im Bereich von 10-12 Millisekunden. Für kritische Infrastruktur, die nicht ausfallen darf, ein großes Problem. Auf die Qualität und Zuverlässigkeit der Stromnetze
haben Unternehmen ja keinen Einfluss.“ Eine gute USV-Anlage geht also weit über stehengebliebene Aufzüge hinaus. Im Falle eines Feuers im Gebäude jedoch kommt es darauf an, ob ein Aufzug eine Evakuierungsfahrt trotz Stromausfall durchführen kann oder nicht, denn dann geht es um Menschenleben.

Wie funktioniert eine USV-Anlage

Im Falle der Aufzüge setzt die USV-Anlage selbstständig nach drei bis fünf Sekundenstromausfall ein, versorgt den liegengebliebenen Aufzug mit Strom und leitet dadurch eine Evakuierungsfahrt von ca. 20 Sekunden zur nächsten Etage ein. Sollten in einem Gebäude mehrere Aufzüge vorhanden sein, versorgt die USV einen Aufzug nach dem anderen, bis alle Evakuierungsfahrten durchgeführt wurden. Die USV kann das, weil sie vom Hauptnetz, das das Gebäude und alle darin befindlichen Geräte bzw. Systeme versorgt, unabhängig ist. Sie produziert gewissermaßen ein zweites Netz, das dauerhaft, aber unabhängig parallel zum Hauptnetz läuft. Sollte das Hauptnetz ausfallen, greift das Netz der USV, um die kritische Infrastruktur mit dem nötigen Strom zu versorgen. Die USV-Anlage wiederum wird über eine eigene Batterie mit Strom versorgt. Was eine USV können soll und wo sie eingebracht wird, kann nur individuell beantwortet werden, denn nicht nur sind die Anforderungen an die USV eines Keramikherstellers mit Brennöfen andere als an die eines Versicherungsunternehmens mit großen EDV-Systemen. Es spielen auch die Örtlichkeiten eine entscheidende Rolle, denn gerade die Batterien – das Herzstück der unterbrechungsfreien Stromversorgung – sind „empfindliche Wesen“, wie Peter Gaßner von Wöhrle liebevoll sagt.

„Die“ USV gibt es nicht, wohl aber eine maßgeschneiderte USV-Anlage

Die Batterien der USV sind hitzeempfindlich, weshalb sich bei Temperaturen ab 30 Grad Celsius ihre Lebensdauer halbieren kann. Solche Probleme lassen sich leicht umgehen, denn es gibt Spezialbatterien, die 40 Grad Celsius aushalten können.

Die Temperaturen am Aufstellort der USV zu kennen, ist also das A und O, und da jeder Raum, jeder Betrieb individuell ist, ist das einzig sinnvolle Vorgehen eine Erkundung vor Ort. Dabei sind nicht nur etwaige Maschinen potenzielle Hitzequellen, sondern auch der Aufzugschacht selbst, in dem der Motor der USV aufgestellt wird: Die Wärme, die bei der Fahrt des Aufzuges durch Reibung entsteht, kann aus dem Schacht schlecht entweichen. Zudem herrschen in den engen Aufzugschächten notorisch Platzprobleme, weshalb nicht jedes Modell einer USV-Anlage auf jeden Schacht passt. Aber auch eine Sprinkleranlage kann zur Gefahr für die USV-Anlage werden, und welchen Sinn hat es, wenn wegen einer Montage am falschen Ort im Krisenfall ein Notfallsystem das andere lahmlegt? Die Wöhrle Stromversorgungssysteme GmbH hat es sich darum zum Prinzip gemacht, ein mehrstufiges Verfahren anzuwenden, um den jeweiligen Bedarf zu ermitteln:

  • Besuch vor Ort und Besichtigung der Örtlichkeiten, wo die USV aufgestellt wird
  • Einbezug aller räumlichen, technischen oder maschinellen Hürden, die die USV in ihrem zuverlässigen Betrieb behindern könnten
  • Ermittlung von Bedarf und Wünschen des Kunden im persönlichen Gespräch
  • Beratung über alle Möglichkeiten zur Aufstellung der USV und Erarbeitung der bestmöglichen Lösung für den einzelnen Kunden
  • Regelmäßige Wartung der USV-Anlage, um ihre Funktionstüchtigkeit für den Notfall zu gewährleisten

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